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Donnerstag, 15. April 2010

Tag des Deutschen Bieres.

Logo Tag des Deutschen BieresAusgerechnet am Tag des Deutschen Bieres, also am 23. April, zur Feier des am 23. April 1516 erlassenen Reinheitsgebots, erweitert das Café Abseits sein Biersortiment um sechs belgische Biere, die nicht alle dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen, aber über jeden Zweifel an ihrer Qualität erhaben sind.

Wer dies als provokant empfindet, hat nur teilweise recht: Auch innovative deutsche Braumeister empfinden die Begrenzungen des Reinheitsgebots als hinderlich bei der Entwicklung von neuen Bieren. So lernen werdende Braumeister an der Doemens-Akademie auch die Verwendung von Gewürzen als Zutaten und brauen als "Meistersude" gelegentlich auch Biere jenseits des Reinheitsgebots.

Die Braumanufaktur der Bamberger Mälzerei Weyermann, die zugegeben für den internationalen Markt Bierrezepte kreiert, braut einige Biere, die dem Reinheitsgebot widersprechen. Z.B. werden beim "Weyermann Safranbier" 2 Gramm Safran je Hektoliter zugesetzt. Beim "Weyermann Jule Ale" nach dem Vorbild dänischer Weihnachtsbiere kommen neben Hopfen, Malz und Wasser je Hektoliter 200 Gramm getrocknete süße Orangenschalen und 1 kg belgischer brauner Kandiszucker hinzu.

In der innovativen Braustelle, Kölns kleinster Brauerei, wird das Bier "Pink Panther" mit Hibiskusblüten eingebraut.

Solche Innovationen durften wegen des Reinheitsgebot lange Zeit in Deutschland nicht als Bier bezeichnet werden. Geändert hat sich die rechtliche Situation erst 2005. Damals hat sich Helmut Fritsches Klosterbrauerei Neuzelle höchstinstanzlich beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig gegen die Reinheitsgebotsbürokraten durchgesetzt (siehe dazu eine Pressemitteilung dieses Gerichts: "Klage auf Ausnahme vom deutschen Reinheitsgebot erfolgreich"). Das Land Brandenburg muss damit der Klosterbrauerei Neuzelle erlauben, ein Bier als Bier in Deutschland zu vermarkten, obwohl es nicht nach dem Gesetz von 1516 hergestellt wird. Dem "Schwarzen Abt" aus Ostbrandenburg wird nach dem Brauprozess Zucker zugesetzt. Näheres zu diesem Urteil: "Urteil gegen das deutsche Reinheitsgebot", in: Pforzheimer Zeitung vom 25. Februar 2005. Am besten recherchiert hat zu diesem Thema noch Katharina Mohr: "Was Bier ist, muß auch Bier heißen", in: Welt am Sonntag vom 27. Februar 2005.

Ich will mich damit aber keineswegs für Praktiken aussprechen wie die eines deutschen Brauereikonzerns, der jahrelang Bier in Tschechien brauen ließ, dem der Süßstoff E 950 Acesulfam-K zugesetzt worden ist, vermutlich um Kosten zu sparen, und dieses Produkt dann in Deutschland legal als Bier vertrieben hat, weil im Ausland gebraute Biere, die dem deutschen Reinheitsgebot nicht entsprechen, in Deutschland als Bier vertrieben werden dürfen.