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Donnerstag, 25. November 2004

Bamberger Reiter.

Wen sollte der Bamberger Reiter darstellen? Ist mit der berühmtesten Skulptur im Bamberger Dom, geschaffen vor ungefähr 770 Jahren im Zeitalter der Kreuzzüge - seit über 100 Jahren Thema in der Kunstgeschichte und schon vor 1933 von Nationalisten missbraucht -, überhaupt eine historische Person gemeint, etwa der 1080 heiliggesprochene Ungarnkönig Stephan?

Der Mittelalterhistoriker Dr. Dr. Hannes Möhring, Privatdozent an der Universität Bayreuth und Träger des Stauferpreises 2000, ist durch Veröffentlichungen zur Geschichte der Kreuzzüge und zur Bedeutung mittelalterlicher Endzeit-Erwartungen bekannt. Vor dem Hintergrund biblischer Aussagen und ihrer Rezeption im Mittelalter bietet er in seinem Buch "König der Könige - Der Bamberger Reiter in neuer Interpretation" eine Antwort: Den am Ende der Zeiten wiederkehrenden Messias, den "König der Könige" aus der Offenbarung des Johannes. Der waffenlose Reiter sollte die Gläubigen daran erinnern, dass die Feinde des Christentums, vor allem die Muslime, nur durch Gottes Wort wirklich zu besiegen seien. Nach der Entfaltung seiner These setzt Möhring auch andere Figuren des Bamberger Domes in Beziehung zum Reiter. Sodann diskutiert er die zahlreichen Versuche von Kunsthistorikern, den Reiter zu identifizieren und behandelt auch die Frage, ob der Reiter ein "Krypto-Portrait" Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen darstellen sollte. Abschließend lässt Möhring uns teilhaben an den Endzeit-Erwartungen im 13. Jahrhundert, den damals gehegten Hoffnungen der europäischen Christen auf den Zusammenbruch des Islam und an ihren Auseinandersetzungen über den Sinn von Kreuzzügen bzw. die Tötung von Glaubensfeinden.